Asset Backed Loans (ABL) sind ein zunehmend bedeutender Bereich des Privatkreditmarkts. Sie bieten Anlegerinnen und Anlegern einen Mix aus Rendite, Schutz und Diversifizierung. In einem von Unsicherheit und sich verändernder Marktdynamik geprägten Umfeld sind ABL für all jene interessant, die Kapitalerhalt und unkorrelierte Renditequellen wünschen.
Im ersten Teil unserer dreiteiligen Serie über ABL erläutern wir die Merkmale dieser Kredite und stellen die Vielfalt der verfügbaren Anlagechancen vor. Der zweite Teil widmet sich ausführlicher der Frage, warum ABL 2026 besonders gut positioniert sind. Der letzte Teil schliesslich beleuchtet die besonderen Aspekte der Asset-Backed-Loan-Strategie von LOIM. Anhand von Fallstudien zeigt er zudem den potenziellen Wert für eine diversifizierte Kreditallokation.
ABL und Direktkredite: Was ist der Unterschied?
Asset-Backed Loans (oder Asset-basierte Finanzierung/Asset-basierte Kredite, wie sie in Europa heissen, bzw. Spezialfinanzierungen nach der US-Bezeichnung) sind spezielle Privatkreditanlagen. Diese sind durch Vermögenswerte besichert, die vertragliche Cashflows generieren.
ABL zählen zu den Privatkrediten, funktionieren aber völlig anders als herkömmliche Direktkredite: Es handelt sich nämlich um besicherte Kredite mit kurzer Laufzeit, die bei Bedarf liquidiert werden können. Die Kreditvergabe konzentriert sich daher hauptsächlich auf die Qualität, die Cash-Generierung und den Wert der Vermögenswerte. Die Rentabilität des Kreditnehmers und das künftige Gewinnpotenzial sind dabei weniger von Bedeutung.
Besicherungsfähige Vermögenswerte
ABL werden durch unterschiedlichste Sach- oder Finanzanlagen mit regelmässigen, messbaren und konstanten Cashflow-Mustern besichert.
Beispiele:
- Forderungen (oft hochliquide)
- Lagerbestand
- Ausrüstungsgüter
- Immobilien
- Medienlizenzgebühren
- Rechtsansprüche
- sonstige vertragliche oder finanzielle Vermögenswerte.
ABL sind für Unternehmen wie Grosshändler, Produzenten und Einzelhändler attraktiv: Sie können damit Kapital freisetzen, das in physischen Vorräten oder unbezahlten Rechnungen gebunden ist. Interessant sind ABL auch für Kreditnehmer, die Kapital zur Überbrückung eines kurzfristigen Finanzierungsbedarfs benötigen. Beispiele sind ein Immobilien-Überbrückungskredit oder die Finanzierung einer vertraglich vereinbarten Zahlung oder eines Cashflows.
Die Besicherung der einzelnen Anlagen erfolgt oft über viele kleine, getrennte Posten, was für eine Risikostreuung sorgt. Nicht zuletzt durch die vielfältigen Asset-Kategorien sind ABL eine flexible, anpassungsfähige Strategie. Diese lässt sich auf neue Sektoren erweitern, wenn Finanzierungslücken und neue Formen von Sicherheiten entstehen.
|
Direktkredite an Unternehmen sind hingegen weitgehend an deren langfristige Geschäftsaussichten und ihre Fähigkeit zur Cashflow-Generierung gebunden. Einfach ausgedrückt: Bei ABL zählt, was der Kreditnehmer heute hat, und nicht, was er morgen möglicherweise verdient.
Bei Direktkrediten kann der Umstrukturierungsprozess langwierig und komplex sein, sollte der Kreditnehmer seinen Verpflichtungen nicht nachkommen können. Im Gegensatz dazu ist es bei ABL einfacher, die Kontrolle über die Sicherheiten zu übernehmen und diese wirtschaftlich zu verwerten. Dies führt in der Regel zu höheren Verwertungsraten bei ABL.
Wie andere Bereiche des Privatkreditmarkts haben auch ABL im Zuge der restriktiveren Kreditvergabe von Banken nach der globalen Finanzkrise an Popularität gewonnen. Wir bei LOIM glauben, dass ABL das Potenzial für höhere risikobereinigte Renditen sowie einen besseren Zugang zu Liquidität als die meisten Direktfinanzierungen bieten. Allerdings ist unseres Erachtens in einem diversifizierten Privatkreditportfolio Raum für hochwertige ABL- ebenso wie für Direktkreditstrategien.
Wesentliche Unterschiede zwischen Asset-Backed Loans und Direktkrediten1
|
| |
Asset-backed Loans
|
Direktkredite
|
|
Vorrangigkeit
|
Erstrangig besichert |
Vorrangig besichert/zweitrangig/Mezzanine |
|
Laufzeitprofil
|
Kurze Laufzeit: 60 Tage bis 4 Jahre |
7-8 Jahre |
|
Sensibilität gegenüber Konjunkturzyklen
|
Gering aufgrund unkorrelierter Vermögenswerte |
Höher aufgrund der Zyklizität von Cashflows des kreditnehmenden Unternehmens (je nach Branche) |
|
Diversifizierung
|
Stark diversifizierte Pools zugrunde liegender Sicherheiten |
Einzelner Unternehmenskredit |
|
Durchsetzung
|
Möglichkeit, unmittelbare Kontrolle über Vermögenswerte zu übernehmen; viele Anlageklassen sind selbstliquidierend |
Möglichkeit, Sicherheit durchzusetzen, muss jedoch oft mit anderen Gläubigern abgestimmt werden und kann einen Gerichtsprozess erfordern |
|
Konkurrenz
|
Begrenzte Anzahl spezialisierter Kreditgeber; Auswahl in der Regel aufgrund der Fähigkeit zur Strukturierung und Ausführung
|
Wettbewerbsintensiv; Auswahl in der Regel aufgrund der Konditionen |
|
Liquidität der Strategie
|
Offen, Evergreen mit Zugang zu vierteljährlicher Liquidität nach einer anfänglichen Sperrfrist von 18 Monaten
Kurze Laufzeit der Vermögenswerte entspricht den Verbindlichkeiten
|
In der Regel geschlossen mit einer Laufzeit von mindestens 8 Jahren, keine Möglichkeit der Rücknahme
Einige Fonds haben jetzt auch offene Angebote und ermöglichen Rücknahmen, aber Ungleichgewichte zwischen Vermögenswerten und Verbindlichkeiten können zu Liquiditätsengpässen führen |
Konstante Renditen, geringe Volatilität und bessere Liquidität als viele Alternativen
ABL weisen ein stabiles, konstantes Renditepotenzial mit einem attraktiven, weitgehend unkorrelierten Risiko-Ertrags-Profil auf. Dies führt in der Regel zu einem konstanten, vorhersehbaren anleihenähnlichen Ertrag, aber mit einem höheren Schutz vor Verlusten und meist höheren Renditen.
Insgesamt bieten ABL folgende Vorteile:
- Relativ geringes Risiko. Die Besicherung von ABL erfolgt oft durch grosse, diversifizierte Asset-Pools wie Tausende Rechnungen, einzelne Lagerbestandsposten oder klar benannte Sicherheiten wie Immobilien oder eine vertragliche Zahlung. Selbst bei einem Zahlungsausfall des Kreditnehmers sind die Verwertungsraten daher tendenziell höher als bei Direktkrediten. Bei ABL hat der Gläubiger das vertragliche Recht, die zugrunde liegende Sicherheit zu beschlagnahmen und verwerten.
- Kürzere Laufzeit. Anders als sieben- bis achtjährige nicht amortisierende Direktkredite werden ABL oft innerhalb weniger Monate zurückgezahlt. Dadurch reduziert sich das Zinsrisiko und nachfolgende Kredite können neu bewertet oder verlängert werden, um die Zielrenditen aufrechtzuerhalten.
- Weniger Hebelwirkung, mehr Resilienz. ABL-Fonds müssen keine Hebelwirkung nutzen, um attraktive Renditen zu erzielen. Das fördert die zyklusübergreifende Stabilität.
- Natürliche Liquidität. Kurze Laufzeiten, amortisierende Strukturen und ein schneller Kreditumsatz bedeuten, dass Kapital häufig zurückgezahlt wird. Das sorgt für Flexibilität und mögliche Reinvestitionen. Die Struktur der Kredite harmoniert gut mit Evergreen-Strategien. Deshalb sind ABL eine attraktive Möglichkeit für all jene, die Zugang zu Liquidität haben möchten, aber nicht auf höhere Renditen verzichten wollen.
Lesen Sie mehr: Private-Equity-Sekundärmarkt: Wachstumsfaktoren, Transaktionsarten und differenzierter Zugang
Ein wachsendes Privatkreditsegment, das reif für die Expansion ist
In den letzten 15 Jahren haben sich ABL von einer Nischen-Anlagestrategie zu einem wichtigen Wachstumstreiber an den Privatmärkten entwickelt. Noch handelt es sich um einen kaum erschlossenen Bereich des Privatkreditmarkts – der das Potenzial einer umfassenden, attraktiven Anlagechance hat.
Die folgenden Zahlen veranschaulichen den potenziellen Marktumfang: Der ABL-Markt wird auf USD 5,2 Bio.2 geschätzt. Privatkredite machen davon jedoch lediglich rund USD 170 Mrd.3 aus, was eine Durchdringungsrate von nur 3% bedeutet.
Wir gehen davon aus, dass ABL mit zunehmendem Marktwachstum für eine breitere institutionelle Basis interessant werden. Das wird zu längeren Erfolgsbilanzen und höheren verwalteten Gesamtvermögen führen
- Jim Karp, Co-Portfolio Manager, LOIM Asset Backed Loan
Zum Vergleich: Privatkredite haben einen Anteil von rund 25% am Direktkreditmarkt von USD 3,5 Bio.4 Diese Diskrepanz deutet auf viel Raum für Wachstum hin, da institutionelle Anleger zunehmend nach besicherten, kurzfristigen Alternativen suchen.
Zu den Anlegern, die frühzeitig in ABL-Strategien investiert haben, zählen viele Family Offices. Sie können in der Regel in früheren Phasen strategische Positionen aufbauen und unterliegen nicht denselben Einschränkungen wie grosse Pensionsfonds und Versicherungsgesellschaften. Je länger die Erfolgsbilanz und je höher das verwaltete Gesamtvermögen, desto interessanter wird die Anlageklasse unserer Auffassung nach für eine breitere institutionelle Basis.
Der nächste Artikel unserer Serie beschäftigt sich eingehender mit den Merkmalen und Marktentwicklungen, die ABL 2026 besonders attraktiv erscheinen lassen: von der aktuellen Renditedynamik bis hin zu den makroökonomischen Kräften, die die Nachfrage prägen.