Höhere Anleiherenditen, bessere Erträge: Wo Anleihen jetzt Wert bieten

Yannik Zufferey, PhD - Chief Investment Officer, Core Business
Yannik Zufferey, PhD
Chief Investment Officer, Core Business
Sandro Croce  - CIO, Fixed Income
Sandro Croce
CIO, Fixed Income
Florian Ielpo, PhD - Head of Macro
Florian Ielpo, PhD
Head of Macro
Höhere Anleiherenditen, bessere Erträge: Wo Anleihen jetzt Wert bieten

Kernpunkte.

  • Die höheren Renditen sind eher auf steigende Realzinsen, höhere Laufzeitprämien, fiskalpolitische Bedenken und massive Anleiheemissionen zurückzuführen als auf Inflationsängste. Die Märkte preisen bereits eine erhebliche geldpolitische Straffung ein. Dadurch sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Zinserhöhungszyklus von 2022–2023 wiederholt
  • Dank attraktiver Ertragsniveaus bieten Anleihen wieder überzeugendes langfristiges Renditepotenzial. Wir befürworten den allmählichen Ausbau von diversifizierter Duration und selektivem Kreditengagement
  • Frankreichs Staatsfinanzen stehen unter Druck, und es herrscht politische Unsicherheit. Die Fundamentaldaten des Landes sind jedoch nach wie vor deutlich stärker als jene Griechenlands während der Staatsschuldenkrise.

Warum steigen die Anleiherenditen?

An den globalen Anleihenmärkten hat eine markante Neubewertung stattgefunden. Die Renditen langfristiger Staatsanleihen haben ein Niveau wie zuletzt vor der globalen Finanzkrise 2008 erreicht. Drei Kräfte treiben die Renditen nach oben: steigende Energiepreise infolge der Schliessung der Strasse von Hormuz, die erneute geldpolitische Straffung führender Notenbanken sowie wachsende Haushaltsdefizite, die den staatlichen Kreditbedarf erhöht haben. Auch das Anleihenangebot gewinnt als Marktfaktor immer mehr an Bedeutung. Das Emissionsvolumen bei Staatsanleihen steigt. Zugleich ist die Kreditaufnahme im Unternehmenssektor weiterhin hoch. Einen Beitrag hierzu leisten auch KI-Investitionen von Hyperscalern, die den Wettbewerb um Kapital verschärfen.

Wertpotenzial bei höheren Renditen erschliessen – durch Diversifikation und selektives Kreditengagement

Höhere Renditen haben Anleihen wieder attraktiv gemacht. Erfahren Sie, wie wir Kreditchancen, Portfoliopositionierung und die Lage in Frankreich aktuell einschätzen. (Verfügbar auf Englisch und Französisch)

Hauptgrund für den Renditeanstieg waren nicht die Inflationserwartungen, sondern höhere Realrenditen und Laufzeitprämien (Abbildung 1). Anlegerinnen und Anleger verlangen für das Halten langfristiger Anleihen in einem Umfeld fiskalpolitischer Unsicherheit und umfangreicher Anleiheemissionen eine höhere Entschädigung.

Entscheidend ist: Die Märkte preisen eine zukünftige Straffung der Geldpolitik bereits in erheblichem Masse ein. Bis Ende 2027 rechnen Anlegerinnen und Anleger mit mehreren zusätzlichen Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed sowie einer weiteren geldpolitischen Straffung durch die Europäische Zentralbank (EZB). Mit anderen Worten: Die aktuellen Anleiherenditen widerspiegeln bereits einen Grossteil der erwarteten Reaktionen der Notenbanken. Damit die Renditen signifikant über das gegenwärtige Niveau hinaus steigen, müssten die Notenbanken die Geldpolitik weitaus aggressiver straffen, als die Anlegerinnen und Anleger aktuell erwarten.

ABB. 1. Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen: Realrendite, Inflationsausgleich und steigende Laufzeitprämie, 2016–20261

Alles wie gehabt? Diesmal ist die Lage anders

Unseres Erachtens ist das heutige Umfeld nicht mit dem Inflationsschock vergleichbar, der den aggressiven Straffungszyklus von 2022–2023 auslöste.

Das Wachstum ist weiterhin widerstandsfähig, die Arbeitsmärkte sind jedoch ausgeglichener und der Inflationsdruck ist deutlich schwächer. Die Unternehmensgewinne zeigen sich nach wie vor robust, die Ausfallquoten sind niedrig und das Produktivitätswachstum trägt dazu bei, den Lohndruck auszugleichen.

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Die Gesamtinflation ist zwar gestiegen, Ursache hierfür sind jedoch im Wesentlichen die Energiepreise. Das Lohnwachstum bleibt verhalten, sodass eine Lohn-Preis-Spirale weniger wahrscheinlich ist. Zudem liegen die Leitzinsen deutlich näher am neutralen Niveau als 2022. Entsprechend dürften die Notenbanken eher geldpolitische Feinjustierungen vornehmen als einen weiteren langen Straffungszyklus einzuleiten.

Höhere Zinsen am Markt sorgen bereits für restriktivere Finanzierungsbedingungen. Realrenditen von annähernd 3% und Hypothekenzinsen von über 7% dürften zu einer moderateren Nachfrage beitragen, ohne dass signifikant höhere Leitzinsen erforderlich sind.

Die Erträge sind zurück 

Nach dem jüngsten Ausverkauf sind Anleihen deutlich attraktiver geworden. Dank der heutigen höheren Anfangsrenditen können sich Anlegerinnen und Anleger Ertragsniveaus sichern, die über weite Teile der letzten zehn Jahre nicht verfügbar waren. Dies bildet ein wichtiges Polster für die Wertentwicklung.

Die besten Anlagechancen erkennen wir bei High-Yield-Anleihen und Unternehmensanleihen aus Schwellenländern. Hier bieten die höheren Renditen eine attraktive Entschädigung für das Risiko. Da unsicher ist, wann der Renditehöchststand genau erreicht ist, sprechen wir uns für einen allmählichen Aufbau eines Engagements aus, anstatt auf Market Timing zu setzen.

Unser Ansatz konzentriert sich auf ein diversifiziertes Durationsengagement, den allmählichen Aufbau eines Engagements in Anleihen mit zunehmender Attraktivität der Renditen sowie selektive Kreditchancen. Ein günstigeres Inflationsumfeld, eine begrenzte geldpolitische Straffung oder eine geopolitische Entspannung könnten die Wertentwicklung von Anleihen stützen. Dagegen könnten neue Energieschocks, fiskalpolitische Bedenken oder ein hohes Emissionsvolumen die Renditen auf einem hohen Niveau halten.

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Frankreich: das wichtigste Länderrisiko

Frankreich ist nach wie vor das wichtigste Länderrisiko, das es im Auge zu behalten gilt. Die Spreads französischer Staatsanleihen gegenüber deutschen Bundesanleihen haben sich auf ein Niveau ausgeweitet, das zuletzt während der Staatsschuldenkrise in der Eurozone erreicht wurde. Kürzlich sind die Renditen zehnjähriger französischer Staatsanleihen über diejenigen ihrer griechischen Pendants gestiegen.

Die fiskalpolitischen Bedenken mit Blick auf Frankreich sind zwar gerechtfertigt, Vergleiche mit der Griechenlandkrise sind unseres Erachtens jedoch fehl am Platz. Frankreich steht vor der Herausforderung einer Haushaltsanpassung, nicht vor einer systemischen Krise. Anders als Griechenland weist das Land hohe Ersparnisse der privaten Haushalte, eine weitgehend ausgeglichene aussenwirtschaftliche Position, einen ununterbrochenen Marktzugang und anhaltendes Wachstum auf (Abbildung 2).

ABB. 2. Griechenland 2009 und Frankreich 2026: Staatsschulden, Haushaltssaldo, Primärsaldo, Leistungsbilanz und gesamtwirtschaftliche Ersparnis (in % des BIP)2

Zwei Fragen stehen für Anlegerinnen und Anleger im Vordergrund. Zum einen geht es darum, ob französische Staatsanleihen im Vergleich zur Benchmark untergewichtet werden sollten. Da Frankreich in Staatsanleihenindizes stark vertreten ist und französische Anleihen nun eine Mehrrendite bieten, birgt eine anhaltende Untergewichtung Risiken.

Zum anderen stellt sich die Frage, ob es sich aus taktischer Sicht lohnt, das Engagement zu erhöhen. Das langfristige Wertpotenzial nimmt zwar zu, doch die politische Unsicherheit mit Blick auf das Haushaltsverfahren und die Präsidentschaftswahl im Jahr 2027 könnte zu weiterer Volatilität führen. 

Vorerst bevorzugen wir eine Gewichtung nahe der Benchmark. Unseres Erachtens würde die EZB nur dann intervenieren, wenn sich die Spannungen über Frankreich hinaus ausbreiten und eine allgemeine Fragmentierung der Eurozone drohen würde. Bis dahin bleibt die Fiskalpolitik der wichtigste Hebel, um das Marktvertrauen wiederherzustellen.

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Höhere Renditen besser nutzen

Trotz der jüngsten Volatilität bleiben wir bei unserem zuversichtlichen Ausblick. Die höheren Renditen haben bei Anleihen wieder für Wertpotenzial gesorgt und attraktive Einstiegspunkte für langfristig orientierte Anlegerinnen und Anleger geschaffen. Wir bevorzugen mit Blick auf Duration, Kredit- und Aktienrisiko einen diversifizierten Ansatz sowie den allmählichen und selektiven Aufbau eines Anleihenengagements.

Bei den Staatsanleihen ist Frankreich sorgfältig zu beobachten. Die Lage im Land ist unseres Erachtens momentan jedoch nicht mit der Griechenlandkrise zu vergleichen. Wir bevorzugen eine neutrale Haltung, bis im Haushaltsverfahren mehr Klarheit herrscht.

Insgesamt sind Erträge wieder ein wichtiger Renditefaktor. Im aktuellen Umfeld ist ein Grossteil der erwarteten geldpolitischen Straffung bereits eingepreist. Somit gehen wir davon aus, dass Anlegerinnen und Anleger nicht den genauen Zeitpunkt des Renditehöchststands abpassen müssen, um ein Engagement in Anleihen aufzubauen.

Häufig gestellte Fragen

Die höheren Anleiherenditen sind in erster Linie auf steigende Realrenditen und höhere Laufzeitprämien zurückzuführen und nicht allein auf Inflationsängste. Anlegerinnen und Anleger verlangen für das Halten langfristiger Anleihen in einem Umfeld fiskalpolitischer Unsicherheit, eines steigenden staatlichen Kreditbedarfs und umfangreicher Anleiheemissionen eine höhere Entschädigung. Zudem preisen die Märkte eine weitere geldpolitische Straffung durch führende Notenbanken ein. Die aktuellen Anleiherenditen widerspiegeln daher bereits einen Grossteil der erwarteten geldpolitischen Reaktion.

Dank höherer Renditen bieten Anleihen wieder ein attraktives Ertragsniveau. Dadurch eröffnen sich Chancen, die über weite Teile der letzten zehn Jahre nicht verfügbar waren. Statt den Renditehöchststand abpassen zu wollen, können Anlegerinnen und Anleger den allmählichen Aufbau eines Engagements erwägen. Hierfür eignet sich ein diversifizierter Ansatz, der Duration, selektive Kreditchancen und eine breite Diversifikation über Sektoren und Regionen hinweg kombiniert. Besonderes Wertpotenzial erkennen wir bei High-Yield-Anleihen und Unternehmensanleihen aus Schwellenländern. Hier können die höheren Anfangsrenditen eine attraktive Entschädigung für das Risiko bieten.

Die Renditen französischer Staatsanleihen sind stark gestiegen, da Anlegerinnen und Anleger die Haushaltsprobleme, die politische Unsicherheit und den wachsenden Finanzierungsbedarf in Frankreich neu bewerten. Auch wenn sie zeitweise über jenen ihrer griechischen Pendants lagen, sind Vergleiche mit der Staatsschuldenkrise in der Eurozone unseres Erachtens fehl am Platz. Frankreich profitiert von hohen Ersparnissen der privaten Haushalte, einem ununterbrochenen Marktzugang und einem widerstandsfähigeren Konjunkturumfeld. Die höheren Renditen haben das Ertragspotenzial für Anlegerinnen und Anleger im Anleihensegment verbessert und französische Staatsanleihen aus Bewertungsperspektive attraktiver gemacht. Die Haushaltsverhandlungen und die Präsidentschaftswahl 2027 könnten jedoch zu weiterer Volatilität führen. Dies spricht beim Frankreich-Engagement für einen neutralen, benchmarkbewussten Ansatz.

Unternehmensanleihen aus Schwellenländern zählen unseres Erachtens weiterhin zu den attraktiveren Segmenten des Anleihenmarkts. Die höheren Anleiherenditen haben das Potenzial für die Gesamtrendite verbessert. Zugleich haben Anlegerinnen und Anleger dank des breiten Anlageuniversums über Länder und Sektoren hinweg Zugang zu selektiven Kreditchancen jenseits der Industrieländer. Bonität und länderspezifische Risiken unterscheiden sich teils deutlich. Daher ist ein diversifizierter und selektiver Ansatz nach wie vor entscheidend, um attraktive Ertragschancen zu identifizieren und zugleich die Volatilität zu steuern.

Quellen anzeigen.
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1 Bloomberg, Federal Reserve Bank of New York, LOIM. Wöchentliche Daten bis 2. Oktober 2026. Nur zur Veranschaulichung. Der Inflationsausgleich entspricht der Nominalrendite abzüglich der Realrendite. Nur zur Veranschaulichung. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit bietet keine Gewähr für künftige Ergebnisse.
2 IWF, World Economic Outlook, April 2026, LOIM. Griechenland: Ist-Werte 2009; Frankreich: IWF-Prognosen für 2026. Nur zur Veranschaulichung.

 

Wichtige Hinweise.

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Dieses Dokument ist eine Unternehmensmitteilung und richtet sich ausschliesslich an professionelle Anlegerinnen und Anleger. 
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