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Neue Spielregeln: Wie Pragmatismus den Welthandel verändert
Kernpunkte.
Angesichts zunehmender geopolitischer Spannungen, Handelskonflikte und mehrerer globaler Angebotsschocks in Folge wird die regelbasierte internationale Ordnung schrittweise aufgegeben
Der Freihandel weicht einem eher transaktionsorientierten Umfeld. Mittelgrosse Volkswirtschaften wie Kanada und die Schweiz wählen unterschiedliche Ansätze, um darauf zu reagieren
Asiatische Unternehmen zeigen, wie sich aus den Verwerfungen der Neuordnung von Welthandel und Lieferketten Chancen ergeben können.
Vor etwas mehr als einem Jahr schien das weltweite Handelssystem noch weitgehend stabil zu sein. Der in sieben Jahrzehnten aufgebaute, auf Effizienz ausgerichtete Freihandelsrahmen wird heute grundlegend neu geordnet. Langjährige Beziehungen haben sich abgeschwächt oder weiterentwickelt. In einer stärker transaktionsorientierten Welt wiegen nationale Interessen und Pragmatismus schwerer als Ideologie.
Geopolitische Spannungen hatten bereits die Schwachstellen einer auf Vertrauen und wechselseitiger Abhängigkeit beruhenden regelbasierten Ordnung offengelegt und die Globalisierung gebremst. Donald Trumps Rückkehr ins Weisse Haus beschleunigte diese Entwicklung. Die USA haben die Spielregeln mit Zöllen, geopolitischer Konfrontation und scharfer Rhetorik gegenüber Verbündeten wie Rivalen neu geschrieben. Als Reaktion darauf haben Länder ihre Partnerschaften und Prioritäten neu bewertet und die globale Neuausrichtung weiter vorangetrieben.
Die Rückkehr von Zöllen
Nach Jahrzehnten sinkender Handelsbarrieren sind Zölle wieder zu einem zentralen Instrument der US-Wirtschaftspolitik geworden. Massnahmen, die Präsident Trump während seiner ersten Amtszeit einführte und unter Präsident Biden bestehen blieben, wurden im Jahr 2025 deutlich ausgeweitet. Dadurch stiegen die durchschnittlichen US-Zollsätze auf den höchsten Stand seit Jahrzehnten. Seitdem sind sie zwar von ihren Hochstände zurückgegangen (siehe Abbildung 1), liegen aber nach wie vor deutlich über dem Niveau vor 2025. Zudem unterscheiden sie sich erheblich je nach Handelspartner.
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Wie haben sich die Handelsbeziehungen verändert?
Das Vorgehen der Trump-Regierung hat die Veränderungen der etablierten Handelsbeziehungen und der multilateralen Rahmenbedingungen beschleunigt.
Einige bedeutende Beispiele:
Das Ursprungsland gewinnt an Bedeutung. Die Vereinbarung zwischen den USA und Vietnam sieht für über Vietnam umgeleitete Waren einen Zollsatz von 40% vor. Für in Vietnam hergestellte Produkte gelten 20%. Damit soll die Umleitung chinesischer Exporte über Zwischenländer verhindert werden.
Handel an Investitionen und Industriepolitik verknüpft. In der 2025 mit den USA geschlossenen Vereinbarung akzeptierte Japan einen US-Zollsatz von 15% und sagte Investitionen von USD 550 Mrd. in strategische US-Branchen zu. Das Land verpflichtete sich auch, mehr US-Waren zu kaufen und US-Exporteuren den Zugang zum japanischen Markt zu erleichtern.
Lieferketten als strategisches Druckmittel. In Trumps zweiter Amtszeit eskalierten die geopolitischen Spannungen mit China in mehreren Zollrunden, auf die Verhandlungen und Zollpausen folgten. Bei dem Konflikt ging es um mehr als nur Zölle: China nutzte seine dominante Stellung bei seltenen Erden als Druckmittel. Das Land verhängte Exportbeschränkungen für kritische Mineralien und Grundstoffe, die in vielen Bereichen – von der Produktion von Elektrofahrzeugen (EV) bis hin zur Verteidigungsindustrie – zum Einsatz kommen.
Pragmatischere Handelsabkommen. Die Handelsspannungen mit den USA führten dazu, dass an anderer Stelle neue Partnerschaften entstanden. Das Vereinigte Königreich und Indien überwanden Jahre des Stillstands und schlossen ein Freihandelsabkommen mit Schwerpunkt auf Dienstleistungen. Die EU und Indonesien legten ihren Streit zu Themen wie Palmöl und Nachhaltigkeit bei und stärkten ihre Beziehungen in den Bereichen Handel und strategische Mineralien.
Da geopolitische Beziehungen unberechenbarer werden, rücken Staaten und Unternehmen Resilienz in den Vordergrund. Sie stärken Lieferketten durch Nearshoring, Friendshoring, Reshoring und redundante Kapazitäten – selbst wenn dadurch die Kosten steigen.
Kanada und die Schweiz zeigen, wie unterschiedlich Volkswirtschaften im Spannungsfeld der beiden Supermächte reagieren.
Fallstudie 1: Kanada
Wie Abbildung 2 zeigt, war Kanada in der Vergangenheit sehr stark von einigen wenigen Exportmärkten abhängig, vor allem in den späten 1990er- und frühen 2000er-Jahren. Der Herfindahl-Index ist eine gebräuchliche Kennzahl, die misst, wie stark die Exporte eines Landes auf einzelne Handelspartner konzentriert sind. Bei einem hohen Konzentrationsgrad ist ein Land wirtschaftlichen oder geopolitischen Verwerfungen möglicherweise stärker ausgesetzt.
ABB. 2. Historisch gesehen ist Kanada sehr stark von wenigen Partnern abhängig2
Nach Ansicht von Premierminister Mark Carney muss Kanada in einer stärker zersplitterten Welt eine pragmatische und diversifizierte Aussenpolitik verfolgen. Kanada pflegt zwar nach wie vor ein enges Verhältnis zu den USA, stärkt aber auch seine Beziehungen zu Ländern wie Indien und – etwas zurückhaltender – China. Zudem setzt Kanada zunehmend auf flexible Koalitionen, die auf gemeinsamen Interessen beruhen, statt auf feste Allianzen.2
Die anhaltenden Handelsstreitigkeiten zwischen den USA und Kanada im Jahr 2026 verdeutlichen, wie wichtig Diversifizierung, Resilienz und strategische Flexibilität in einem zunehmend zersplitterten Handelssystem sind.
Nach Ansicht von Carney muss Kanada in einer stärker zersplitterten Welt eine pragmatische und diversifizierte Aussenpolitik verfolgen
Abbildung 3 zeigt, wie sich Kanadas Exportbeziehungen verändert haben. Bevor China im Jahr 2001 der Welthandelsorganisation (WTO) beitrat, konzentrierten sich die Exporte zunehmend auf den US-Markt. Als sich China zu einer globalen Handelsmacht entwickelte, konnte Kanada seine Exporte diversifizieren. Seit Einführung der Zölle in Trumps erster Amtszeit hat Kanada seine Abhängigkeit vom US-Markt weiter reduziert, wenn auch nur moderat.
ABB. 3. Kanada hat seine traditionelle Abhängigkeit von den USA als Exportmarkt verringert2
Fallstudie 2: Schweiz
Die Schweiz ist im globalen Vergleich ein relativ kleines Land. Traditionell nutzt sie ihren neutralen Status und ihre offene, innovative Wirtschaft sehr erfolgreich, um mit einer breiten Palette von Exportpartnern Handel zu treiben.
ABB. 4. Die Schweiz weist traditionell eine gute Diversifizierung ihrer Exportpartner auf2
Swiss-Equities-Strategie von LOIM: Positionierung für die neue Weltordnung
„Unsere Strategie investiert in hochwertige, international diversifizierte Marktführer, die sich durch eine hohe Preissetzungsmacht und betriebliche Flexibilität auszeichnen. Zölle erhöhen zweifellos die Komplexität auf administrativer Ebene. Unsere Zusammenarbeit mit den Managementteams bestärkt uns jedoch in der Einschätzung, dass sich Schweizer Unternehmen rasch angepasst haben. Sie verfügen über die Voraussetzungen, Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit in einem stärker zersplitterten globalen Umfeld zu sichern.“
Im August 2025 belegte die Trump-Regierung zahlreiche Schweizer Exporte in die USA mit einem zusätzlichen Zollsatz von 39%. Später schloss die Schweiz eine unverbindliche Rahmenvereinbarung, die den Zollsatz auf 15% senkte und Pläne für Schweizer Investitionen in den USA umfasste.
Zahlreiche Schweizer Unternehmen habe sich unseres Erachtens an das komplexere und unsichere internationale Handelsumfeld anpassen können. Einen Grossteil der zusätzlichen Kosten können sie an die Kundschaft weitergeben. Zudem produzieren viele Schweizer Unternehmen ihre Waren mittlerweile in der Nähe ihrer Absatzmärkte, unter anderem in Produktionsbetrieben in den USA und der EU.
Insgesamt ist der Anteil der USA an den Schweizer Gesamtexporten von 10% im Jahr 2018 auf inzwischen 23% gestiegen. Im Gegenzug sank vor allem der Anteil der Exporte nach Deutschland und China.
ABB. 5. Die Schweiz exportiert trotz der neuen höheren Zölle mehr in die USA2
Kanada und die Schweiz verfolgen angesichts ihrer unterschiedlichen Ausgangslagen jeweils eigene Ansätze. Kanada war ursprünglich sehr stark von den USA abhängig, hat sich mittlerweile aber um eine stärkere Diversifizierung bemüht. Die Exportmärkte der Schweiz waren dagegen von Anfang an breiter diversifiziert. Auf die aktuellen Verschiebungen im Welthandel reagierte das Land mit einem stärkeren Engagement auf dem US-Markt. Welcher Ansatz Resilienz am besten stärkt, hängt letztlich sowohl von der Ausgangslage als auch vom Ergebnis ab.
Welcher Ansatz Resilienz am besten stärkt, hängt letztlich sowohl von der Ausgangslage als auch vom Ergebnis ab
Wie Asien von Handelsverwerfungen profitieren will
Asien zeigt, wie Länder mit einer stärker regional ausgerichteten Strategie neue Wettbewerbsvorteile aufbauen. Schon vor dem jüngsten Zollkonflikt nutzten die USA ihre Kontrolle über strategisch wichtige Güter und Technologien zunehmend als geopolitisches Einflussmittel. Daraufhin beschleunigten Länder in ganz Asien den Ausbau eigener Kapazitäten und stärkten ihre Resilienz. So wollen sie die Abhängigkeit von westlichen Lieferketten verringern.
ABB. 6. USA nutzen Ressourcen und Technologien als Druckmittel; Asien reagiert pragmatisch4
China verfolgt einen besonders pragmatischen und langfristig orientierten Ansatz. Angesichts von Sorgen um den Zugang zu Energie und kritischen Ressourcen machte das Land die Elektrifizierung zur Priorität. Zugleich investierte es in grossem Umfang in strategische Branchen. Das Ergebnis: China nimmt heute bei Solarmodulen, Windkraft, Batterietechnologie und der Verarbeitung seltener Erden führende Positionen ein.
Asien zeigt, wie Länder mit einer stärker regional ausgerichteten Strategie neue Wettbewerbsvorteile aufbauen
Der Automobilsektor ist ein gutes Beispiel. Chinesische Unternehmen haben über Jahre Kompetenzen in der Batterietechnologie aufgebaut, ihre Produktionskapazitäten erweitert und vertikal integrierte Lieferketten geschaffen. Was als Versuch begann, die Abhängigkeit von ausländische Technologien zu verringern, hat sich zu einem global wettbewerbsfähigen EV-Ökosystem entwickelt. Heute kontrollieren chinesische Unternehmen grosse Teile der Wertschöpfungskette für EV-Batterien und verfügen gegenüber Mitbewerbern über Technologie- und Kostenvorteile.
Volkswagen3, einst der wichtigste ausländische Autohersteller in China, gerät durch chinesische EV-Hersteller zunehmend unter Druck. Restrukturierung und Stellenabbau bei Volkswagen verdeutlichen, vor welcher Herausforderung westliche Unternehmen stehen: Chinas Vorsprung lässt sich nicht rasch aufholen.
Asiatische Anleihen und Aktien: Nutzniesser der strategischen Regionalisierung
„Asiatische Unternehmen profitieren weiterhin von Kostenvorteilen, tief integrierten Lieferketten und erheblichen Skalenvorteilen in der Region. Westliche Mitbewerber dürften dagegen etwa in der Batterieherstellung, bei Elektrofahrzeugen und bei Satellitendatendiensten auf höhere Eintrittsbarrieren stossen. Das schafft unseres Erachtens ein sehr attraktives Umfeld für asiatische Aktien- und Kreditmärkte.“
– Dhiraj Bajaj, CIO, Asia Fixed Income and Equities
Die Bemühungen der Länder um mehr wirtschaftliche Eigenständigkeit und den Schutz strategischer Wirtschaftszweige dürften die Nachfrage nach Sachwerten, Rohstoffen, Energieinfrastruktur und kritischen Ressourcen treiben.
Eine zentrale Chance für Anlegerinnen und Anleger könnte darin liegen, Unternehmen und Sektoren zu identifizieren, die von der laufenden Neuordnung der Weltwirtschaft profitieren dürften.
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Quellen anzeigen.
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[1] The Budget Lab at Yale, Tariff Rate Tracker V1.2 (Build vom 24. Juli 2026). EU-27 aggregiert, auf Basis des Werts der US-Importe 2024. Nur zur Veranschaulichung.
[2] Bloomberg, LOIM, Stand: 31. Juli 2026.
[3] The Economist, „Prepare for a World of Ad Hoc Coalitions“, 8. Juli 2026.
[4] LOIM, Stand: Juli 2026.
[5] Ein Hinweis auf ein bestimmtes Unternehmen oder Wertpapier stellt keine Empfehlung zum Kauf, Verkauf, Halten oder für eine Direktinvestition in das Unternehmen oder Wertpapier dar.
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Dieses Dokument ist eine Unternehmensmitteilung und richtet sich ausschliesslich an professionelle Anlegerinnen und Anleger.
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