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Schweizerische Nationalbank richtet Fokus auf Stabilisierung des Frankens
Philipp Burckhardt, CFA
Fixed Income Strategist and Senior Portfolio Manager
Markus Thöny
Head of Swiss Fixed Income
Kernpunkte.
Vor dem Hintergrund der nachlassenden globalen wirtschaftlichen Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt beliess die Schweizerische Nationalbank den Leitzins unverändert bei 0%
Während die Deflationssorgen nachgelassen haben, bleibt der Inflationsanstieg in der Schweiz deutlich unter dem anderer Regionen. Gleichzeitig erweist sich die Wirtschaft weiterhin als widerstandsfähig
Die Notenbank hat ihre Bereitschaft zu einer Intervention erneut bekräftigt, falls der Franken weiter aufwertet.
Schweizerische Nationalbank weicht vom allgemeinen Trend zu einem restriktiven geldpolitischen Kurs ab
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hielt an ihrer Juni-Sitzung anders als die anderen grossen Notenbanken an ihrem expansiven geldpolitischen Kurs fest. Die Europäische Zentralbank (EZB) erhöhte den Leitzins im Juni um 25 Basispunkte, und auch die Federal Reserve (Fed) schlug zuletzt einen restriktiveren Ton an. In direktem Gegensatz dazu beliess die SNB ihren Leitzins unverändert bei 0%. Zudem bekräftigte sie ihre „erhöhte Bereitschaft" zu einer Devisenmarktintervention, um den Schweizer Franken zu stabilisieren.
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Ein von Unsicherheit geprägtes politisches Umfeld
Der Konflikt im Nahen Osten hat das globale Wirtschafts- und Inflationsumfeld seit Jahresbeginn erheblich verändert. Die Konjunkturdynamik liess nach, da die durch die Sperrung der Strasse von Hormus verursachten Störungen im Welthandel die Produktionskosten der Unternehmen erhöhten. Auch die Ausgaben der Privathaushalte sanken. Insbesondere drohten die höheren Energiepreise in Europa einen Inflationsschock auszulösen. Dadurch sah sich die EZB dazu veranlasst, ihren geldpolitischen Kurs anzupassen.
Die Schweizer Wirtschaft blieb von dem Inflationsschock relativ unberührt. Vor sechs Monaten stellte die Aussicht auf eine Deflation noch eine echte Bedrohung dar. Die Inflation in der Schweiz war auf null gesunken, und für 2026 wurde eine jährliche Inflationsrate von lediglich 0,3% prognostiziert. Aufgrund der höheren Preise für Erdölprodukte und Rohstoffe stieg die Inflationsrate in der Schweiz jedoch im Mai auf 0,6%. Daraufhin hob die SNB ihre jährliche Inflationsprognose im Juni auf 0,6% für 2026, 0,6% für 2027 und 0,7% für 2028 an.1 Trotz des Anstiegs ist die Inflation in der Schweiz im internationalen Vergleich nach wie vor relativ niedrig. Sie bewegt sich noch immer im unteren Bereich der von der SNB definierten Preisstabilitätsspanne (0% bis 2%). Das nachlassende Deflationsrisiko hat der Notenbank demnach vorerst etwas Spielraum verschafft. Auch die Diskussionen über die Notwendigkeit, die Zinsen in den negativen Bereich zu senken, sind vorerst verstummt.
ABB. 1. Die Inflation in der Schweiz ist 2026 gestiegen2
Die Schweizer Wirtschaft erwies sich in dieser unsicheren Zeit als widerstandsfähig. Das BIP im ersten Quartal war solide, und die Stimmung in der Wirtschaft war insgesamt positiv. Die Wachstumsprognose für 2026 liegt seit der Sitzung der SNB am 25. Dezember unverändert bei 1%. Trotz des stabilen wirtschaftlichen Umfeldes hat sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt leicht verschlechtert. Die Arbeitslosenquote stieg im Mai saisonbereinigt leicht von 3,0% im April auf 3,1%3 und liegt nun seit sechs Monaten bei oder über 3%. Aktuell ist diese Verschlechterung noch kein Grund zur Sorge. Doch die Notenbank wird die Situation am Arbeitsmarkt zweifellos genau beobachten. Sie könnte ein weiterer Grund dafür sein, den expansiven geldpolitischen Kurs fortzusetzen. Eher noch reduziert sie das Risiko von Zweitrundeneffekten und unterstreicht den Unterschied zur Inflationsdynamik nach der Covid-19-Pandemie.
ABB. 2. Arbeitslosenquote in der Schweiz bei 3,1%4
Das Hauptrisiko für die Wirtschaftsaussichten in der Schweiz sind weiterhin Entwicklungen in der Weltwirtschaft. Die Unterzeichnung der Absichtserklärung zwischen dem Iran und den USA dürfte das wirtschaftliche und geopolitische Umfeld spürbar begünstigen. Doch könnte sich die Situation im Nahen Osten erneut zuspitzen und die weltweite Wirtschaftstätigkeit bremsen. Die SNB wies zudem darauf hin, dass auch die US-Handelspolitik weiterhin ein Unsicherheitsfaktor ist.
Wegen der anhaltenden Ungewissheit steht nun die Währungsstabilität – oder vielmehr die Instabilität – ganz oben auf der Agenda der Notenbank. Ein günstigeres Marktumfeld dürfte die Nachfrage nach Zufluchtswerten, die den Schweizer Franken in die Höhe getrieben hat, wieder abflauen lassen. Im laufenden Jahr hat er gegenüber dem Euro bisher um fast 1,4% zugelegt.5 Die Aufwertung übt eine starke disinflationäre Kraft auf die Wirtschaft aus. Unseres Erachtens ist es sinnvoll, den Fokus eher auf das Tempo der Währungsaufwertung als auf das Niveau selbst zu legen. Denn das Niveau des realen Wechselkurses – die von der SNB bevorzugte Kennzahl – ist seit Jahresbeginn unverändert, obwohl der nominale Wechselkurs im gleichen Zeitraum gestiegen ist.
Ein dauerhafter Frieden im Nahen Osten dürfte die Aufwertung der Schweizer Währung bremsen. Auch die nach der Zinserhöhung der EZB gewachsene Zinsdifferenz zwischen der Schweiz und der Eurozone , die Kapitalzuflüsse eindämmen dürfte, könnte zur Abschwächung der Nachfrage beitragen. Da die geopolitische Lage weiterhin äusserst instabil ist, könnte der Aufwärtsdruck auf den Schweizer Franken jedoch auch anhalten. Vor diesem Hintergrund bekräftigte SNB-Präsident Martin Schlegel die erhöhte Bereitschaft der Notenbank, am Devisenmarkt zu intervenieren. Er versprach, „einer raschen und übermässigen Aufwertung des Frankens entgegenzuwirken, welche die Preisstabilität in der Schweiz gefährden würde“6.
Wir sind der Ansicht, dass sich die SNB weiterhin in einer relativ komfortablen Position befindet. In diesem Jahr erkennen wir keine Notwendigkeit für weitere geldpolitische Massnahmen. Wenn überhaupt, deutet diese jüngste Sitzung auf eine subtile Kursanpassung der Notenbank auf mittelfristig leicht höhere Zinsen hin. Auch dies spricht gegen die Befürchtung, dass die hohe Hürde für eine Rückkehr zu Negativzinsen bald erreicht werden könnte. Dieses Szenario dürfte sich positiv auf die Schweizer Wirtschaft auswirken, da künftige Zinsanpassungen aus einer Position der Stärke heraus erfolgen würden.
Nur für professionelle Anlegerinnen und Anleger
Dieses Dokument ist eine Unternehmensmitteilung und richtet sich ausschliesslich an professionelle Anlegerinnen und Anleger.
Dieses Dokument ist eine Unternehmensmitteilung, die sich ausschliesslich an professionelle Anlegerinnen und Anleger richtet. Es ist keine Marketingmitteilung, die sich auf einen Fonds, ein Anlageprodukt oder Anlagedienstleistungen in Ihrem Land bezieht. Dieses Dokument versteht sich weder als Beratung in Anlage-, Steuer-, Rechnungslegungs- oder Rechtsfragen noch als professionelle Beratung.