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Wie geht es mit Anlagen in grünen Wasserstoff weiter?

Wie geht es mit Anlagen in grünen Wasserstoff weiter?
Pascal Menges - Head of Equity Investment Process and Research, Client Portfolio Manager

Pascal Menges

Head of Equity Investment Process and Research, Client Portfolio Manager
Paul Udall - Portfolio Manager, Global Equities

Paul Udall

Portfolio Manager, Global Equities

 

Gut zu wissen

  • Das Wachstumspotenzial für grünen Wasserstoff liegt auf der Hand: Die Energieriesen BP und Iberdrola investieren in Anlagenkapazitäten, und China und die EU sind aufstrebende Giganten im Bereich dieser sauberen Energiequelle

  • Seit Februar 2021 haben sich die Investitionen in fortgeschrittene Wasserstoffprojekte mit USD 150 Mrd. fast verdoppelt, und die angekündigten Produktionskapazitäten für kohlenstoffarmen Wasserstoff sind um 60% gestiegen1  

  • LOIM lotet im Rahmen seiner „Climate Transition“-Aktienstrategie Anlagechancen im Bereich grüner und blauer Wasserstoff aus. Wir analysieren die Branche und halten nach weiteren Wachstumschancen Ausschau

Globale Dynamik

Steigende Gaspreise, zahlungsunfähige Versorgungsunternehmen und schwindelerregende Stromrechnungen für die Konsumenten verdeutlichen das Ausmass der Energiekrise in Europa. In Zeiten wie diesen wiegen die Argumente für eine Beschleunigung der grünen Energiewende schwer.

Doch für den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft reicht es nicht, fossile Brennstoffe über Bord zu werfen und durch Solar- und Windenergie zu ersetzen. Es sind auch verstärkte Investitionen in Speicherkapazitäten und weitere saubere Energiequellen erforderlich. Grüner Wasserstoff, der in Elektrolyseuren auf der Basis von Strom aus erneuerbaren Energiequellen emissionsfrei aus Wasser erzeugt wird, entwickelt sich immer mehr zum zentralen Treibstoff der Energiewende.

So haben Iberdrola und BP2 beispielsweise kürzlich Investitionen in neue Anlagen zur Erzeugung von grünem Wasserstoff auf der Iberischen Halbinsel bzw. in Grossbritannien angekündigt. BP, eines der grössten Öl- und Gasunternehmen der Welt, erwägt auch die Erzeugung von grünem Wasserstoff in Raffinerien in Deutschland, Spanien und den Niederlanden3 und will in Schlüsselregionen bis 2030 10% des Markts für kohlenstoffarmen Wasserstoff erobern4.

Damit bleibt BP in der Branche nicht allein. Etliche Öl- und Gasunternehmen weltweit stecken Milliarden in das Geschäft mit Wasserstoff in der Erwartung, dass er in der Stromerzeugung, der Schwerindustrie und im Transportwesen – beispielsweise im Lkw-Verkehr und in der Schifffahrt – die Kohlenwasserstoffe ersetzen könnte.

Wann dies der Fall sein wird, hängt davon ab, wie lange es dauert, bis kostenreduzierende Technologien die neue Energiequelle skalierbar machen, und wie schnell Unternehmen und Regierungen Wasserstoff in ihre Dekarbonisierungsstrategien aufnehmen. Dennoch werden Schätzungen der Internationalen Energieagentur zufolge bis 2050 rund 10% des weltweiten Energieverbrauchs durch Wasserstoff gedeckt5.

In der Energiewende wird grüner Wasserstoff als disruptive Technologie gefeiert: Seine Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig, er kann Unternehmen mit schwer reduzierbaren Emissionen bei der Dekarbonisierung helfen und beschert Energieerzeugern gleichzeitig einen neuen Geschäftszweig, der auf die Netto-Null-Ziele der Regierungen ausgerichtet ist. 

Wood Mackenzie, ein globales Energieforschungs- und Beratungsunternehmen, schätzt, dass sich die prognostizierte Gesamtkapazität aus in Entwicklung befindlichen grünen Wasserstoffprojekten allein im Einjahreszeitraum bis August 2021 mit einem Anstieg von 3,2 Gigawatt auf über 15 Gigawatt global mehr als vervierfacht hat.6

Noch macht grüner Wasserstoff nur einen kleinen Teil des globalen Energiemix aus, doch die in den kommenden Jahren erwarteten deutlichen Senkungen der Produktionskosten könnten Erzeugungs-, Speicher-, Transport- und Exportunternehmen zu attraktiven Anlagegelegenheiten für anspruchsvolle Anleger machen.

Der World Business Council for Sustainable Development und die Sustainable Markets Initiative verkündeten bei der COP 26 im vergangenen Jahr zudem eine Wasserstoff-Verpflichtung, um das Wachstum der Nachfrage nach und des Angebots an Wasserstoff als zentralem Bestandteil einer künftigen Netto-Null-Wirtschaft voranzutreiben. In Rahmen dieser Verpflichtung erfolgten Zusagen von 28 Unternehmen aus verschiedenen Branchen vom Bergbau über die Energiewirtschaft und den Fahrzeug- und Gerätebau bis hin zu Finanzdienstleistungen. Die verkündeten Verpflichtungen entsprechen Schätzungen des Hydrogen Council zufolge fast einem Viertel des Dekarbonisierungspotenzials von Wasserstoff bis 2030.

 

Supermächte für grünen Wasserstoff

Nun, da sich Länder mit einem Anteil von über 80% an der Weltwirtschaft dem Netto-Null-Ziel verschrieben haben, wetteifern die Regierungen darum, in dem Rennen um die erste grüne Wasserstoff-Wirtschaftsmacht als Sieger hervorzugehen. Mehr als 30 Länder haben sich zu Wasserstoffstrategien verpflichtet und Mittel für ihre Umsetzung bereitgestellt.7

Mit mehr als 50% der angekündigten Projekte und geschätzten Investitionen in Höhe von USD 130 Mrd. ist Europa nach wie vor das Zentrum der Wasserstoffentwicklung. Alle anderen Regionen verzeichneten jedoch proportional ein schnelleres Wachstum mit einer Zunahme der Projektankündigungen um mehr als 75%.8

So entwickelt sich beispielsweise China rasch zum Wasserstoffgiganten und rechnet bis 2050 mit einem Wasserstoffanteil an der Energieversorgung von 10%. Hier wurde auch das grösste grüne Wasserstoffprojekt der Welt in Auftrag gegeben, das im kommenden Jahr fertiggestellt werden soll. Zudem hat China über 50 Wasserstoff-Grossprojekte angekündigt. Dies entspricht zugesagten oder angekündigten Investitionen im Wert von über USD 180 Mrd.Rund die Hälfte der angekündigten chinesischen Projekte ist im Transportwesen angesiedelt, das im Energiewendeplan des Landes eine zentrale Rolle spielt.

Die Investitionen in grünen Wasserstoff haben sich in China beschleunigt, da davon ausgegangen wird, dass am Markt ein Boom einsetzt, wenn Industrie und Verbraucher auf kohlenstoffärmere Brennstoffe umsteigen, nachdem das Land sein Ziel von Netto-Null-Emissionen bis 2060 und einen Höchststand der CO2-Emissionen in Schlüsselsektoren bis 2030 verkündet hat.

Der weltweite Absatz von Elektrolyseuren dürfte sich im Jahr 2022 gegenüber dem Vorjahr volumenmässig vervierfachen und auf 1,8 bis 2,5 Gigawatt ansteigen. Zwei Drittel der Nachfrage entfallen dabei auf China, da staatliche Unternehmen eifrig bestrebt sind, die Erfüllung der nationalen Dekarbonisierungsziele nachzuweisen, wie einer Prognose des Energieforschungsunternehmens BloombergNEF aus dem vergangenen Monat zu entnehmen ist.

Chinesische Unternehmen folgen dabei demselben Schema wie bei der Solarenergie: Sie senken die Preise und Herstellungskosten, erhöhen die Zahl der Anlagen und beschleunigen die Entwicklung neuer Technologien mithilfe staatlicher Finanzierung und politischer Unterstützung von Wasserstoffprojekten. Zudem lassen sich Elektrolyseure ebenso wie Solarmodule in China dank geringerer Arbeits- und Rohstoffkosten relativ kostengünstig und einfach in Masse produzieren.

Zu den weiteren Faktoren, die die Einführung von erneuerbarem Wasserstoff in China vorantreiben könnten, zählt auch der Ausbau der chinesischen Gesamtkapazitäten zur sauberen Energieerzeugung von 500 Gigawatt im Jahr 2020 auf 1'200 Gigawatt bis 2030, schätzt der Hydrogen Council, eine von Unternehmensvorständen getragene weltweite Initiative aus über 130 Unternehmen, die sich der kommerziellen Erschliessung der Wasserstoffwirtschaft verschrieben haben.

China hat sich ausserdem zum Ziel gesetzt, ein qualitativ hochwertiges Versorgungsnetz zu schaffen und die Speicherkapazitäten des Landes auszubauen, um die erforderliche Flexibilität für die Steigerung des Anteils erneuerbarer Energien zu gewährleisten.

 

Erkenntnisse des Hydrogen Council

Laut Hydrogen Council hat sich die Dynamik in der Wasserstoffentwicklung als zentrale Säule der Energiewende durch die Steigerung der Klimaambitionen beschleunigt.

Seit Februar 2021 wurden Grossprojekte zur Erzeugung von grünem Wasserstoff mit einer Gesamtkapazität von mehr als 10 Millionen Tonnen bis 2030 angekündigt. Damit wird rund ein Drittel des gesamten für das nächste Jahrzehnt erwarteten Anstiegs der Nachfrage nach grünem Wasserstoff abgedeckt.10

Weitere Highlights aus dem Bericht des Hydrogen Council:

  • Seit Februar 2021 wurden weltweit 131 Grossprojekte angekündigt, womit sich die Gesamtzahl auf 359 erhöht hat
  • Die Gesamtinvestitionen in Projekte und entlang der gesamten Wertschöpfungskette belaufen sich bis 2030 auf schätzungsweise USD 500 Mrd. Die Investitionen in „ausgereifte“  Projekte sind seit Februar auf USD 150 Mrd. angestiegen und haben sich damit fast verdoppelt
 

Quelle: Hydrogen Council Insights, Juli 2021

 

Welche Chancen bieten sich in der Wasserstoff-Wertschöpfungskette?

Im Rahmen unserer Aktienstrategie „Climate Transition“ loten wir potenzielle Anlagechancen im Bereich blauer und grüner Wasserstoff aus. Der saubere Energieträger wird auch in unserer zentralen Anlageüberzeugung berücksichtigt: dem Übergang auf eine CLICTM-Wirtschaft, die kreislauforientiert (Circular), produktivitätssteigernd (Lean), integrativ (Inclusive) und sauber (Clean) ist und sich an den Netto-Null-Zielen ausrichtet.

Wir interessieren uns für Unternehmen in den Bereichen CO2-Abscheidungstechnologien, erneuerbare Stromerzeugung und Elektrolyseurproduktion. Das breitere Chancenspektrum in Verbindung mit Wasserstoff umfasst zudem die Infrastruktur für die Speicherung, die Verteilung und den Transport sowie Anwendungen wie die Brennstoffzellenfertigung, die Mobilität, Gebäude und den Stahlsektor.

Abschliessend lässt sich sagen, dass die Wasserstoffwirtschaft als neue saubere Energiequelle im Wesentlichen Chancen im Zusammenhang mit unserer „Climate Transition“-Strategie bietet, einige Anwendungsmöglichkeiten jedoch auch günstig für unsere „Natural Capital“-Strategie sein könnten, beispielsweise im Bereich „grüne“ Düngemittel und „grüne“ Chemikalien. Doch noch befinden wir uns im Frühstadium der Entwicklung.

Wir von LOIM haben das Chancenspektrum klar abgesteckt und sind bereit, sämtliche Chancen im Bereich Wasserstoff zu nutzen, sobald die Marktbedingungen dies zulassen.

Hier erfahren Sie mehr über unsere „Climate Transition“-Strategie.

 

Quellen.

1. Hydrogen Insights Report, Juli 2021
2. Ein Hinweis auf ein bestimmtes Unternehmen oder Wertpapier stellt keine Empfehlung zum Kauf, Verkauf, Halten oder für eine Direktinvestition in das Unternehmen oder die Wertpapiere dar. Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass sich künftige Empfehlungen gewinnbringend auswirken oder eine Performance zur Folge haben werden, die derjenigen der in diesem Dokument beschriebenen Wertpapiere entspricht.
3. https://www.bloomberg.com/news/articles/2021-11-29/bp-plans-green-hydrogen-base-in-u-k-as-transition-speeds-up
4. https://www.bp.com/en/global/corporate/news-and-insights/reimagining-energy/hydrogen-and-the-energy-transition.html
5. Executive Summary – Global Hydrogen Review 2021 – Analyse – IEA
6. https://www.woodmac.com/news/opinion/the-promise-of-green-hydrogen/
7. Hydrogen Insights Report, Juli 2021
8. Hydrogen Insights Report, Juli 2021
9. Hydrogen Insights Report, Juli 2021. Die angekündigten Investitionen umfassen Investitionen in direktem Zusammenhang mit öffentlich angekündigten Projekten. Die zugesagten Investitionen umfassen zudem auch zusätzliche Investitionen, die erforderlich sind, um die Regierungsziele zu erreichen, sowie indirekte Investitionen, die seitens der Originalgerätehersteller und der Zulieferer nötig sind, um die erforderlichen Direktinvestitionen zu unterstützen.
10. Aktuelle Informationen des Hydrogen Council in Zusammenarbeit mit McKinsey & Company, Juli 2021
11. „Ausgereift“ bedeutet laut Hydrogen Council, dass sich die Investition entweder in der Planungsphase befindet, eine endgültige Investitionsentscheidung getroffen wurde oder die Investition im Zusammenhang mit einem Projekt steht, das bereits im Bau, i

 

Wichtige Hinweise.

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