Beurteilung von Klimarisiken.

Bei Lombard Odier identifizieren und beurteilen wir das Ausmass der mit dem Klimawandel verbundenen Umwelt- und Transitionsrisiken sowie die Reputations- und Haftungsrisiken als Teil unseres Nachhaltigkeitsrahmens. Wir beurteilen die Relevanz dieser Risiken sowie die mit ihnen verbundenen Chancen auf Branchenebene, und unsere Analysten prüfen, wie gefährdet einzelne Unternehmen in Bezug auf die Klimawende sind. Unsere Analysen umfassen über 160 Branchen.

 

Durch Klimawandel und wetterbedingte Naturkatastrophen verursachte Wirtschaftsschäden (% des Welt-BIP)

 
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Quelle: Analyse von Lombard Odier auf der Grundlage von Watson und Le Quéré (2018): Aon Benfield (2019).

 

Physische Risiken

Was die physischen Risiken betrifft, schätzen wir anhand unserer eigenen raumbezogenen Analysemethode das Risiko von Überschwemmungen, Dürren, Wirbelstürmen, extremen Wetterereignissen, Flächenbränden und nicht wetterbezogenen Katastrophen ein. Unsere Geodaten-Experten warnen unsere Investmentteams in Echtzeit vor Umweltrisiken und führen ein Horizon Scanning durch.

 

Einschätzung der physischen Schäden von Hurrikan Laura für Energieversorger

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Datum: 27. August 2020
Quelle: National Hurricane Center (NOAA), verschiedene Datenanbieter, kt = Knoten - Geschwindigkeitsmass

 

Transitionsrisiken

Was die Transitionsrisiken betrifft, untersuchen wir im Rahmen unserer Beurteilung die Risiken in Verbindung mit der Reduktion von Treibhausgasemissionen, der Ressourceneffizienz, der Abfallreduktion und der Notwendigkeit, innerhalb der natürlichen Grenzen unseres Planeten zu leben. Aus unseren Schlussfolgerungen geht hervor, wie stark die einzelnen Branchen diesen Risiken ausgesetzt sind. Während das Thema Treibhausgasemissionen in vielen Branchen äusserst relevant ist, haben wir auch einige Schlüsselbranchen identifiziert, in denen andere Faktoren, wie die Bekämpfung der Wasserknappheit, von ebenso grosser Bedeutung sind (insbesondere in der Landwirtschaft).

Ausserdem ist es unseres Erachtens sehr wichtig, auch Branchen, wo die Emissionsverringerung schwierig ist, in unser Klimawende-Anlageuniversum aufzunehmen, denn diese Branchen werden für das zukünftige Wirtschaftswachstum unerlässlich sein. Wir scheuen nicht davor zurück, in den umfassenden Wandel zu investieren, der in diesen wichtigen, aber kohlenstoffintensiven Sektoren notwendig ist.

Unseres Erachtens gibt es auf dem Markt nicht genug Analysen, die aufzeigen, wie anfällig einzelne Branchen, Unternehmen und Wertpapiere gegenüber den Klimarisiken sind und welche Chancen sich für sie ergeben. Auch sind wir der Meinung, dass die finanziellen Auswirkungen der Klimawende, sowohl der Risiken als auch der Chancen, nicht ausreichend analysiert werden. Zudem glauben wir, dass die mangelnde Klarheit der weltweiten umweltpolitischen Bestimmungen solche Analysen erschwert. Um diese Marktlücken zu schliessen, untersuchen wir diese Aspekte intern und versuchen, Unsicherheiten anhand von szenariobasierten, zukunftsgerichteten, kritischen Analysen zu klären.

Unseres Erachtens ist es sehr wichtig, auch Branchen, wo die Emissionsminderung schwierig ist, in unser Klimawende-Anlageuniversum aufzunehmen, denn diese Branchen werden für das zukünftige Wirtschaftswachstum unerlässlich sein.

In unserem Relevanz-Mapping bilden wir das Risiko ab, das den verschiedenen Branchen aus dem Klimawandel und anderen Megatrends entsteht, und zwar in drei unterschiedlichen Hauptszenarien:

  • Ein Business-as-usual-Szenario auf der Grundlage der aktuellen Klimapolitik;
  • Ein Mittelweg-Szenario auf der Grundlage einer leichten Verbesserung der klimapolitischen Ziele (2,6°C) mit Parametern, die eine Anpassung des Szenarios an eine „verzögerte klimapolitische Reaktion“ erlauben;
  • Ein Nachhaltigkeitsszenario gemäss dem Pariser Abkommen, basierend auf einem Temperaturanstieg von 1,8°C.

Die Zwischenergebnisse unserer Analysen zeigen, dass die Transitionsrisiken im Nachhaltigkeitsszenario zunehmen, die physischen Risiken jedoch langfristig abnehmen. Im Business-as-usual-Szenario sind die Transitionskosten niedriger, was jedoch durch zusätzliche Reputations- und Haftungsrisiken ausgeglichen wird, die für die verantwortlichen Branchen eine Existenzbedrohung darstellen können.

Wir wenden ethische Anlagebeschränkungen (SRI-Beschränkungen, SRI = socially responsible investing) für Unternehmen an, die in den Bereichen Kohle und unkonventionelle Öl- und Gasförderung tätig sind, und begrenzen unsere Anlagen in Unternehmen, die einen wesentlichen Teil ihrer Umsätze aus diesen Tätigkeitsfeldern erwirtschaften.
Dank der Integration der Kriterien für Umwelt, Soziales und Unternehmensführung (ESG, Environment, Social, Governance ) in unseren Anlageprozess können wir die Geschäftspraktiken und die Performance von Unternehmen in allen Sektoren in Bezug auf die Bemühungen zur Minderung des Klimawandels (Verwendung von Energie aus erneuerbaren Quellen, Kohlenstoffintensität, Umweltschutzbestimmungen usw.) beurteilen.

Wir glauben ausserdem, dass Stewardship bei der Festlegung des Anlageprozesses eine wichtige Rolle spielt und zur Wertsteigerung der Kundenvermögen beiträgt. Wir stützen uns auf die Oxford-Martin-Prinzipien für klimabewusste Investitionen als richtungsgebenden Rahmen für unsere Stewardship-Aktivitäten, um sicherzugehen, dass die Unternehmen die für eine CO2-neutrale Wirtschaft erforderlichen Massnahmen verstanden und in ihre Geschäftsstrategien und -praktiken integriert haben. Unser Dialog mit den Unternehmen unterstützt uns ausserdem bei unseren Anlageentscheidungen, da wir dabei die Offenlegung von Fussabdruck-Daten fordern, die auf Zusätzlichkeit beruhen, sowie ein Reporting im Sinne der Empfehlungen der Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD).

Ausserdem ist Lombard Odier im Bereich Nachhaltigkeit Partnerschaften mit führenden unabhängigen Unternehmen und Institutionen eingegangen. Hierzu gehören beispielsweise SystemIQ, eine auf Systemveränderungen im Zusammenhang mit Nachhaltigkeitsherausforderungen spezialisierte Beratungsfirma, und die Oxford University. Diese Partner sind unabhängige, objektive Berater unserer Nachhaltigkeits- und Investmentteams, mit denen wir Wissen austauschen, um den potenziellen Pfad und die Auswirkungen der Klimawende besser zu verstehen und eine solide Überprüfung unserer Forschungen, Prozesse und Lösungen durch eine Drittpartei zu gewährleisten.

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